Aus der Praxis für die Praxis – Ökonomischer und ökologischer Einsatz von Vorderwagen am 13.5.17

Zu diesem Thema hatte  die IGZ Hessen 2 Veranstaltungen angeboten, damit an zwei Orten im Hessenland die Interessierten mit möglichst kurzen Anfahrtswegen hätten teilnehmen können.

Der Märztermin fand wegen zu weniger Anmeldungen nicht statt, der Maitermin aber wurde von einer buntgemischten Schar gebucht.

Auf dem Hof von Thomas Sänger kamen acht Vollerwerbs- und Hobbylandwirte zusammen.

Thomas begann mit einem chronologischen Abriss der Entwicklung seines Vorderwagens. Ausführlich beschrieb er die Situation, wie er sich anfangs mit Leiterwagen etc. beholfen hatte, welche Überlegungen er im Laufe der Zeit angestellt hatte und wie es so zu seinem derzeitigen selbstgebauten Vorderwagen gekommen ist.

Es müssten ja nicht alle jeden Fehler selbst machen oder das Rad neu erfinden, so seine Devise. Er gab sehr offen und freizügig seine Erfahrungen weiter.

Herausgekommen ist in seinem Falle ein ganz genau auf die Abläufe auf seinem Hof abgestimmtes Gerät, vor das er morgens seine Pferde einspannt, abends ausspannt und dazwischen alle anfallenden Arbeiten als Landwirt und Holzrücker erledigen kann.

Ein schlauer Bauer macht keinen Weg umsonst: mit wenigen Handgriffen und Zubehör wird aus einem Heuballenladewagen (bis zu 7 Rundballen schafft er!) ein Holztransporter (auf dem die Meterstücke en bloc mit der Motorsäge auf 50cm-Scheite gesägt werden können), ein Mistwagen, ein Wasserfasszuggerät oder ein Kartoffelladewagen.  Leerfahrten gibt es so gut wie keine.

Eine Seilwinde ist montiert und alle Schrauben haben die gleiche Größe, damit für die Umbauten unterwegs nur ein Schlüssel gebraucht wird.

Die Praxistauglichkeit konnten wir dann direkt miterleben. Thomas nahm uns überallhin mit auf einem fast ganz normalen Arbeitstag, lud erst einen Teil Mist auf, brachte den weg, lud dort einen Heuballen zur Demonstration auf und ab, nahm das Wasserfass mit, fuhr zur Zapfstelle, brachte das Wasser zu den Rindern auf der Weide, zeigte uns, wie schnell der Umbau zum Holztransporter geht.

Dann ging es zurück zum Hof, wo Bärbel uns im wunderschönen Innenhof mit einem super leckeren Mittagsmenu verwöhnte.  Dort blieben wir nach dem Essen sitzen und ein lebhafter Austausch begann.

Für die Arbeit mit Pferden in Forst- und Landwirtschaft ist es unumgänglich, dass die Pferde gut gehen. Und das tun sie am besten, wenn sie regelmäßig, sprich: täglich eingesetzt werden.

Somit ergibt sich die Frage, wie man es angeht, die Pferde voll in den Tagesablauf zu integrieren. Ein Pferd ist letztlich wie eine Großvieheinheit zu sehen und muss dementsprechend in den Hof eingeplant werden, damit es sich ökonomisch rechnet. Denn sonst bleibt es nur ein teures Hobby, beziehungsweise setzt sich auf einem gewachsenen Hof nicht durch.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der letzten 80 Jahre in Deutschland zeigt den Teilnehmern die Problematik der vorletzten Generation auf: Der letzte Krieg verschlang auch einen Großteil der gut ausgebildeten Arbeitspferde, sodass man den Neuanfang nur mit den übriggebliebenen oder geschwächten Tieren angehen konnte, und das meist nur in Kopfführung. Damals war man froh, wenn man endlich einen Traktor hatte. Heute wieder auf Pferdearbeit umzustellen ist für die aus dieser Zeit geprägten Landwirte ein nicht nachvollziehbarer Schritt zurück in arme, kräftezehrende Zeiten. Die Widerstände sind so groß, dass die Vorteile für die heutige bäuerliche Landwirtschaft oftmals nicht gesehen werden.

Bei anderen liegt das Hemmnis zur konsequenten Umstellung evtl. an der unbewussten inneren Einstellung, sie würden mit ihrem Idealismus die anderen auf dem Hof ausbremsen. Da gilt es ganz besonders, in gut durchdachten Schritten vorzugehen. Zum Beispiel erstmal nur für eine Feldfrucht die Spurbreite so anzulegen, dass  eben nur ein Pferd  durchpasst und in der nächsten Saison eine mehr oder auf einem kleineren Acker eine bunte Mischkultur anlegen. Die Ergebnisse werden die Skeptiker bestimmt überzeugen.

Nun ist Thomas ein begnadeter Handwerker und kann sich alles selbst bauen. Die Teilnehmer konnten sehen, wie er sich zu fast 100% mit vorhandenem Material behilft. Das ist zum einen günstiger und nicht schlechter als Neuware, hält den Geist wach und zeugt nebenbei stellenweise von einer gehörigen Portion Humor und Spaß an der Arbeit.

Am Ende ging jeder mit vielen neuen Ideen und Aha-Erlebnissen nach Hause. Geplant ist ein Folgetag mit der Vorstellung des Hisko-Vorderwagens, eventuell sogar noch im Herbst 2017. Bitte hierzu immer mal auf www.igz-hessen.de nachschauen.

Ein großes Dankeschön an Familie Sänger für die Gastfreundschaft, an Thomas für die vielen Tipps, Tricks, Denkanstöße und an Balou und Mika für die schöne lange Arbeits-Ausfahrt.

 

 

 

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